Mittwoch, 12.11.2025

Dialog-Markt in Werdohl: „Schön, dass wir so einbezogen werden“

Nach anregenden Gesprächen in Altena setzte die Deutsche Bahn den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern entlang der Ruhr-Sieg-Strecke fort. Diesmal lag der Fokus der Bürgerinformationsveranstaltung auf der vorläufigen Variantenplanung für die Tunnel in Werdohl und Plettenberg.
 

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Die Deutsche Bahn (DB) lud am 30. Oktober 2025 zu einem Dialog-Markt in die ehemalige Realschule Werdohl, um über den aktuellen Stand ihrer Vorplanung für das Bahnprojekt ABS Hagen-Siegen-Hanau zu informieren. Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums untersucht die DB den Ausbau von insgesamt zehn Tunneln und die Modernisierung der mehr als 160 Jahre alten Ruhr-Sieg-Strecke. Vier der geplanten Ausbautunnel liegen auf Werdohler Stadtgebiet. Mit dem Sieseler Tunnel wird auch ein Bauwerk aus Plettenberg im Rahmen der Vorplanung näher betrachtet.

„Schön, dass es das überhaupt gibt und die Anwohner in die Projekte einbezogen werden“, freut sich eine Besucherin des Dialog-Markts. „Die Veranstaltung ist wirklich sehr vielfältig aufgestellt und man geht mit einer Menge Information nach Hause.“

Impressionen und Kurz-Interviews vom Dialog-Markt in Werdohl

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch mit der Region. An den Pinnwänden gibt es viele Informationen, vor allem aber entstehen persönliche Gespräche zwischen den Anwohner:innen der Ausbaustrecke und dem DB-Team. Fragen, Hinweise und Ideen aus der Öffentlichkeit liefern wichtige Impulse für die weitere Planung.

Warum ist der Ausbau der Tunnel überhaupt notwendig? 

Die Ruhr-Sieg-Strecke ist nicht nur ein bedeutendes Element der regionalen Verkehrs- und Siedlungsstruktur. Sie ist auch essenziell für den Personenverkehr zwischen der Region Siegen-Wittgenstein, dem Sauerland und den Oberzentren Köln und Aachen. Außerdem dient sie dem Transport von Konsum- und Industriegütern auf der transeuropäischen Anbindung zwischen den Regionen und den Hochseehäfen Rotterdam und Genua. Die im 19. Jahrhundert errichteten Tunnel haben jedoch einen zu geringen Querschnitt (man spricht auch von Lichtraumprofil), um die Durchfahrt für moderne Güterzüge zu ermöglichen.  

Welche Ausbauvariante ist die richtige?

„Und da müssen wir eben schauen, wie kriegen wir die so vergrößert, damit der sogenannte Kombinierte Verkehr durch diese Tunnel passt“, erläutert Abschnittsleiter Jochen Havers. Dafür kommen vor allem drei mögliche Ausbauvarianten in Betracht:

  • Variante 1: Bau eines eingleisigen Tunnels in Parallellage
  • Variante 2: Aufweitung des bestehenden Tunnels
  • Variante 3: Bau eines zweigleisigen Tunnels und Verfüllung des alten Tunnels

Jochen Havers, Abschnittsleiter Nord, erläuterte den Teilnehmenden des Dialog-Markts, dass diese Varianten sorgsam gegeneinander abgewogen werden. Berücksichtigt werden dabei Aspekte wie der Umweltschutz, die Wirtschaftlichkeit, der verkehrliche Nutzen oder auch der Denkmalschutz. Für die untersuchten Tunnel überwiegen die Vorteile der Variante 2 gegenüber der Variante 1 und 3. Daher verfolgt das Projektteam derzeit insbesondere die Variante 2 (Aufweitung des Bestandstunnels) und unterzieht diese einer vertieften Planung. Dazu gehört auch der enge Austausch mit Politik und Verwaltung in den Kommunen entlang der Ausbautunnel.

Hier finden Sie einen Überblick der Variantenuntersuchung für die Tunnel in Werdohl und Plettenberg:

Für die Planung der Ausbaustrecke Hagen-Siegen-Hanau nutzt die DB die Methode "Building Information Modelling" (BIM). Dafür wird zunächst die Bestandsstrecke mit den Ausbautunneln als digitales Modell erfasst.

Das Video zeigt die geplanten Umbaubereiche mit den Tunneln in Werdohl und Plettenberg.

Vertiefende Untersuchungen in der Vorplanungsphase

Neben den vorläufigen Ausbauvarianten für die Tunnel gaben die DB-Mitarbeitenden an zahlreichen Informationsständen Einblicke in die vielfältigen Aspekte der Vorplanung. Dazu gehörten u. a. der Umweltschutz, der Schallschutz oder die Erstellung von digitalen Planungsmodellen. Außerdem hatte das DB-Team ein offenes Ohr für die Fragen oder auch Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. Dazu gehört auch das Thema Denkmalschutz, das insbesondere für den Sieseler Tunnel in Plettenberg eine große Rolle spielt.

Einblicke in die Baugrundkampagne: Gesteinsproben geben Auskunft über Baugrund

„Handfestes“ gab es im Foyer der Realschule zu bestaunen. Dort wurden Bohrproben der diesjährigen Baugrunderkundung aus Werdohl präsentiert. „Wir zeigen hier Proben von einer Bohrstelle hinter der Kläranlage Werdohl. Dort haben wir eine Grundwassermessstelle ausgebaut und mit Pegelmesssonden ausgerüstet. Die Bohrung erfolgte bis zu einer Tiefe von 25 Metern“, erläutert Ruslan Zuber, Projektingenieur für Geotechnik und Tunnelbau. Mithilfe der Bohrungen kann die Tragfähigkeit des Baugrundes untersucht werden, was für den späteren Bau von z. B. Brücken und Stützbauwerken wichtig ist.

„Ich habe mit wachem Interesse erlebt, wie die Kernbohrungen und die Baugrunduntersuchung in Werdohl gemacht wurden“, berichtet ein Besucher der Bürger-Veranstaltung. Ich hoffe, dass der Ausbau an der Bahnlinie möglichst schnell vonstattengeht.“ Dem schließt sich ein anderer Besucher aus der Region an, die insbesondere in den letzten Jahren unter dem wachsenden Schwerlastverkehr zu leiden hatte: „Die Straße ist voll.“ 

Mit dem Bahnprojekt „Ausbaustrecke Hagen-Siegen-Hanau“ wollen wir die Eisenbahnstrecke als nachhaltigen, zuverlässigen Verkehrsweg erhalten und die Bahninfrastruktur für die Menschen in der Region fit für die Zukunft machen.

Mehr Informationen über das Ausbauvorhaben finden Sie in unseren Fragen und Antworten.

Bildergalerie mit Eindrücken vom Dialogmarkt in Werdohl vom 30. Oktober 2025:

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Rund 200 Interessierte aus Werdohl und Plettenberg folgten der Einladung und informierten sich auf dem Dialog-Markt in der ehemalige Realschule Brüderstraße über das Ausbauvorhaben.
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Abschnittsleiter Jochen Havers gab einen Einblick in die bisherige Planung und Variantenfindung für Werdohl und Plettenberg.
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Mithilfe von Luftbildern stellte die DB die vorläufige Variantenuntersuchung für die Tunnel in Werdohl und Plettenberg vor.
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Außerdem erhielten die Gäste Einblicke in den Planungsprozess. Aktuell befindet sich das Bahnprojekt noch in der Vorplanung.
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Das Thema Schutz vor Schall und Erschütterung fand reges Interesse bei den Bürgern und Bürgerinnen.
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Viele Besucher und Besucherinnen nutzten die Möglichkeit zum direkten Austausch mit den DB-Mitarbeitenden.
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Auch die historische Bedeutung der Ruhr-Sieg-Strecke wurde betrachtet:​
Der Bau der Tunnel im 19. Jahrhundert war ein wichtiger Meilenstein für die Region.
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Dirk Middendorf (2.v.l.), Bürgermeister aus Werdohl, begrüßte das Informationsangebot für die Bürgerschaft. Neben ihm von l.n.r.: Lutz Hoffmann, (1. Stellvertreter), Pantelis Haritidis (Leiter Bauhof) und Marion Michels (DB InfraGO)
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Im Foyer stellte die DB Ergebnisse der Baugrunderkundung 2025 vor. Im Vordergrund sind kleinere Bohrkernkisten und Bohrkronen zu erkennen.
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Je nach Tiefe der Bohrung enthalten die Bohrkernkisten unterschiedliches Material – von Lockergestein aus den oberen Erdschichten bis hin zum Bohrkern aus 20 Metern Tiefe.
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Die Teilnehmenden aus Werdohl und Plettenberg gaben dem Dialog-Markt insgesamt ein positives Feedback.